Barbara Beer

Stäbe

Stäbe

Stäbe symbolisieren seit Urzeiten Macht und Ermächtigung.

Der Marschallstab ermächtigt zur Führung und Leitung der Armee, das Königszepter zur Herrschaft über ein Volk. Wie auch der Hirtenstab der Bischöfe verleihen Stäbe, in welchem Kontext sie auch immer verwendet werden, Macht in Form von Amt und Würde. Damit einher geht die Verpflichtung, zu hüten und zu leiten.

Mit dem Einsatz eines Stabes ist immer die Verantwortung verbunden, die Macht, die der Stab verleiht, im Sinne einer Gemeinschaft oder Aufgabe einzusetzen.

Die vielschichtigen Bedeutungsebenen, die Stäbe darüber hinaus symbolisieren, werden durch unzählige Beispiele deutlich: Der Redestab verleiht der Trägerin das Wort und wird weitergereicht, wenn diese das Wort an die nächste Rednerin weitergibt.

Der Zauberstab ermöglicht der MagierIn Energie zu leiten und nach ihrem Willen Wirkungen zu erzielen. Der Richterstab wird eingesetzt, um getroffene Entscheidungen und Urteile wirksam werden zu lassen. („den Stab über jemanden brechen“ bedeutet, diese Person zu verurteilen).

Der Dirigentenstab ist in seiner Funktion eindeutig, und auch der Zeigestock dient dazu, die Aufmerksamkeit und Energien in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Sowohl die Schamanenstäbe als auch der Zauberstab sind mit magischen Funktionen und Kräften aufgeladen und auch ein Symbol für die Funktion und Macht der Trägerin.

Selbst Pilgerstäbe sind nicht einfach Wanderstäbe, sondern kennzeichnen den spirituellen Pfad. So ist auch die Pilgerin Teil eines übergeordneten spirituellen Ganzen, an dem diese durch die Reise teilhat und dem sie durch ihre Reise dient.

Der Stab kennzeichnet die Trägerin als Teilhaberin oder auch Stellvertreterin eines großen Ganzen, einer Gemeinschaft, einer Gottheit, einer größeren Macht oder Einheit. In diesen Kontexten beinhaltet der Stab eine Teilhabe oder Verkörperung dieser Macht. Die Macht, die die Trägerin damit ausübt, steht wiederum im Dienste einer Gemeinschaft oder Religion oder im Dienst des Lebens selbst.

So dienen viele magische oder rituelle Handlungen, in denen Stäbe eingesetzt werden, der Beeinflussung von Mächten und Geistern, der Heilung oder der Erneuerung von Leben. Oder sie haben auch die Macht, zu verletzen, Leben zu nehmen, zu bannen oder zu verdammen.

Stäbe verleihen der Trägerin die Macht und die Fähigkeiten, für die der Stab steht. Oder die Trägerln nutzt den Stab, um ihre Macht zu lenken und wirksam werden zu lassen.

Stäbe selbst wurden und werden auch als Träger oder Verkörperung von Energien, Gottheiten, Wesenheiten gesehen. Oder sie verleihen der Trägerin die Macht der Gottheit oder des Geistes, den sie symbolisieren. So werden in vielen Kulten Stäbe mit Köpfen, die für Gottheiten stehen, rituell genutzt.

Der Stab als Lebensbaum steht für die Lebenskraft an sich und soll diese stimulieren, erhalten, wecken oder nehmen. In jedem Fall haben Stäbe Wirkkraft und Macht.

Jede/r, der/die als Kind mit einem Zauberstab gespielt hat, weiß intuitiv alles über die Macht und Bedeutung von Stäben.

In meinen Arbeiten haben die Stäbe ebenfalls multiple Funktionen: Sie bündeln und zentrieren Energien, die durch die Farben und den Hintergrund aufgebaut wurden (,,Neun Stäbe“).

Sie binden Energie („weil unser einziges Nest unsere Flügel sind“). Oder die Leinwände, die Bilder selbst, haben die Funktion des Stabes übernommen und symbolisieren/tragen Energie, die durch die Farben und die Gestaltung erfahrbar wird. (,,Die Schwarze| Weiße l Rote“, ,,das Glück gewesen zu sein“).

Die Farben Schwarz, Weiß und Rot in den hier abgebildeten Dreieckskulpturen lehnen sich an alte matriarchale Kulte an, in denen diese Farben die Dreifache Göttin in ihrer Funktion der Lebenserneuerung (Weiß), Fülle und Fruchtbarkeit (Rot) und Sterben/Transformation (Schwarz). symbolisieren.

Die Stäbe in diesen Skulpturen bündeln und symbolisieren diese Qualitäten noch einmal und bringen sie durch die jeweilige Gestaltung und Wahl des Stabes zum symbolischen Ausdruck.

„Stäbe“ – Text zur Kunstausstellung Homberg  2015 © Barabara Beer